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Aus der Not eine Tugend gemacht | Meldung vom 10.09.2013

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Schienenpreis wurde überreicht
Der Deutsche Bahnkundenverband hat den Landkreis Nienburg am 30.08.2013 in Potsdam den Schienenverkehrspreis in der Kategorie Bürgerpreis im Rahmen eines Festaktes übereicht.

Der Preis wurde in einem stilvollen Rahmen im S-Bahn-Museum Potsdam-Griebensee übergeben.

Da der Deutsche Bahnkundenverband ein „bürgerlicher Verein“ ist, so sein Präsident Curth, ist der Preis vor allem ein Ausdruck einer besonderen Wertschätzung, denn es sind nicht Institutionen, sondern die Bürger und Nutzer von Angeboten selbst, die die Vorschläge zur Prämierung einreichen. Diese galt dem Projekt Kaffkieker“, der auf der Strecke Eystrup-Hoya mittlerweile auch zum Schülertransport eingesetzt wird. Möglich wurde das durch zwei Voraussetzungen:
Einerseits haben die Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya GmbH (VGH) in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Eisenbahnstrecke Eystrup-Hoya ertüchtigt und moderne Signaltechnik nachgerüstet, um nicht nur alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, sondern insbesondere um kontinuierlich den Güterverkehr auf der Strecke zu stärken.

Andererseits kam aus der Runde der Mitarbeiter die Idee, den Kaffkieker, welcher bisher nur als touristisches Angebot in der Personenbeförderung in den Sommermonaten und zusätzlich zum Brokser Heiratsmarkt eingesetzt wurde, für den Schülertransport zu nutzen. Die Bauarbeiten an der Bahnbrücke der Kreisstraße K-151 Hassel-Heidhüsen zerschnitten bisherige Schulbuslinien. Als Geschäftsführer Uwe Roggatz mit seinen Mitarbeitern die Lage besprach und einen Bus-Zug (Omnibus mit Anhänger) aus einer Konkursmasse aufzukaufen als eine mögliche Lösung vorschlug, entgegnete sein Leiter des Omnibusbetriebes: „Streichen wir doch den Vorspann Bus – einen Zug haben wir doch schon – und Betriebspersonal kann der Güterverkehr für die erforderlichen Zeitfenster bereitstellen. Gesagt getan –aus der Not wurde eine Tugend und aus der Tugend Erfolg. Der Erfolg hat viele Väter, aber nur eine Mutter: die VGH. Das war auch die Botschaft, die Kreisrat Thomas Schwarz im Auftrag von Landrat Detlef Kohlmeier dem Bundesverband dem Deutschen Bahnkundenverband im Rahmen der Danksagung für die Verleihung vermittelte – ohne die enge Verzahnung im Rahmen einer Beteiligung des Landkreises an der VGH wären Lösungen aus der Praxis d.h. aus dem wirklichen Leben und gezielt für die Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort nicht möglich.

Da die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), welche die Aufgabenträgerin für die Schienennahverkehrsleistungen in Niedersachsen ist, vertreten durch ihren Geschäftsführer, Herrn Hans-Joachim Menn, die Laudatio hielt, bleibt zu hoffen, dass die Revitalisierung der Bahnstrecke Eystrup-Syke bei der künftigen Planung der Landesregierung zur Revitalisierung der Bahnstrecken eine Berücksichtigung findet. Menn stellte hierbei heraus, dass die LNVG die positive Entwicklung, welche die VGH mit den an ihr beteiligten Gebietskörperschaften im Bereich der Eisenbahn nehme, aufmerksam und mit Freude beobachte. Mehr als 30.000 Fahrgäste pro Jahr und das Potential mit dem Schienenverkehr eine sinnvolle Ergänzung der Buslinien aufzubauen, sind ein ermutigender Fortschritt für die Mobilität im ländlichen Raum und Anlass, die VGH Strecke in den Kreis der Schienenstrecken aufzunehmen, deren Reaktivierung im Personenverkehr geprüft werde.

Für die LNVG und den Geschäftsführer Menn gab es doppelten Grund zur Freude: Nicht nur als Laudator durfte er sich über einen Preis für eines seiner niedersächsischen Verkehrsunternehmen freuen, sondern die LNVG erhielt selbst den Innovationspreis des Bahnkundenverbandes. Gewürdigt wurde damit, dass die LNVG durch Verhandlungen mit der Deutschen Bahn einen Streckenabschnitt des Fernverkehrs für das Mitfahren von Fahrgästen des Nahverkehrs öffnen konnte.

Der Geschäftsführer der VGH, Uwe Roggatz, brachte seine große Freude über die Verleihung des Preises zum Ausdruck. Den aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik anwesenden Fachleuten und der Fachpresse führte er das Produkt Kaffkieker vor Augen. Roggatz hob die gute und in diesem Projekt besonders unbürokratische Zusammenarbeit mit dem Landkreis Nienburg als Aufgabenträger des Schülerverkehrs und der LNVG als Genehmigungsbehörde hervor und machte deutlich, dass es einem kommunalen Verkehrsunternehmen in erster Linie darum gehe, ein gutes und bezahlbares Mobilitätsangebot im ländlichen Raum anzubieten. Hier gelte es alle Möglichkeiten zu nutzen und auch vordergründig ungewöhnliche Wege zu gehen. Die Nutzung der vorhandenen Eisenbahn in einem integrierten Gesamtkonzept wird so vollkommen selbstverständlich zu einem Bestandteil des Angebotes.